Marian Kardinal Jaworski ist der Vorsitzende der römisch-katholischen
Bischofskonferenz der Ukraine. Der dreiundvierzigste lateinische Metropolit
von Lemberg wurde 1926 in Lemberg geboren. Nach seinen Worten lernte er hier
wirkliche Ökumene kennen, Ökumene „von unten“, noch bevor
er theologische Texte studierte.
1945 wurde er ins Lemberger Seminar aufgenommen und ging noch im selben Jahr nach Polen, wo er in einem Seminar bei Krakau studierte. Nach der Priesterweihe 1950 schrieb er 1952 und 1955 seine Dissertationen in Philosophie und Theologie.
Einige Jahre später wurde er mit Vater Dr. Karol Wojtyla bekanntgemacht, dem späteren Papst Johannes Paul II. Sie wurden Freunde, und diese Freundschaft hatte großen Einfluß auf Kardinal Jaworskis Leben und Ansichten. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Päpstlichen theologischen Akademie in Krakau und der Katholischen Akademie in Warschau schrieb er an die 50 Arbeiten über Metaphysik und Religionsphilosophie.
Bischof Karol Wojtyla wurde 1967 zum Kardinal ernannt und ging zur Erhebung nach Rom; Vater Jaworski ging an seiner Statt zu einer Pastoralreise nach Allenstein (Olsztyn). Auf dem Weg dorthin geriet er in ein Eisenbahnunglück und verlor seine Hand.
Nach der Wahl Kardinal Wojtylas zum Papst von Rom wurde Vater Jaworski der Erste Rektor des Päpstlichen Theologischen Akademie in Krakau. Zum Bischof geweiht wurde er 1984.
Am 16. Januar 1991 wurde er zum römisch-katholischen Metropoliten von Lemberg ernannt. Die Lemberger Behörden waren gegen diese Ernennung, da ihrer Meinung nach die örtlichen Strukturen die Kandidatur eines polnischen Staatsbürgers nicht unterstützten. Im Laufe der Jahre haben sich die Beziehungen zu den städtischen Behörden und den anderen Kirchenführern verbessert; dennoch bleibt eine gewisse Spannung bestehen. Im Jahre 1992 beantragte Erzbischof Jaworski, der polnischer Staatsbürger ist, die doppelte Staatsbürgerschaft, die durch ukrainisch-polnische Verträge nicht vorgesehen ist.
Am 28. Januar 2001 wurde seine Ernennung zum Kardinal der Römischen Kirche durch Papst Johannes Paul II. bekannt.
In seiner Freizeit liest Kardinal Jaworski philosophische Werke. Neben Polnisch und Ukrainisch beherrscht er auch Deutsch, Französisch und Italienisch.
Der Text wurde übernommen aus dem ukrainischsprachigen Journal "Liudyna i Svit" ("Mensch und Welt") vom Februar 1998.