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RISU / Deutsch / Die großen Religionen / Ukrainische Orthodoxe Kirche – Kiewer Patriarchat / Patriarch Filaret von Kiew und der gesamten Rus- Ukraine:

Patriarch Filaret von Kiew und der gesamten Rus- Ukraine

(bürgerlich Mychaylo Denysenko)

Geboren im Jahre 1926 in eine Arbeiterfamilie im Donbass/Ukraine, schloss das Seminar in Odessa und die Moskauer Geistliche Akademie ab. Seine Mönchsgelübde legte er während seines zweiten Jahrs in der Akademie ab und war enger Mitarbeiter des Patriarchen Alexei I. von Moskau. Nach Abschluß der Akademie lehrte er in verschiedenen Seminarien und Akademien und war Rektor des Kiewer Priesterseminars.

Im Jahre 1962 wurde er zum Bischof geweiht, 1966 zum Erzbischof und später Metropoliten von Kiew und Halytsch ernannt; er war der erste ethnische Ukrainer in diesem Amt seit 150 Jahren. In verschiedenen internationalen religiösen Organisationen war er aktiv; er besuchte mehr als 80 Länder, erhielt eine Reihe kirchlicher sowie auch einige sowjetische Ehrungen.

Ursprünglich war er ein Gegner der Idee einer Autokephalen Ukrainischen Kirche so wie auch der Griechisch-Katholischen Kirche, die er als Ausdruck eines von ihm abgelehnten ukrainischen Nationalismus empfand. Am Vorabend des Referendums über den Fortbestand der UdSSR im März 1991 forderte er die Gläubigen auf, für die Erneuerung der Sowjetunion zu stimmen. Gleichzeitig hatte er bereits seit Beginn der Reformen unter Michail Gorbatschow deutliche Bemühungen um eine Erneuerung der Infrastruktur und des kirchlichen Lebens unternommen.

Nach dem Tod des Patriarchen Pimen von Moskau und der gesamten Rus’ im Jahre 1990 wurde Filaret Administrator des Moskauer Patriarchates. Im Oktober desselben Jahres erhielt die Ukrainische Orthodoxe Kirche – Moskauer Patriarchat das Recht der Selbstverwaltung, und Filaret erhielt den Titel eines „Metropoliten von Kiew und der gesamten Ukraine“.

Nach Auflösung der UdSSR leitete er die Bewegung für die “volle kanonische Unabhängigkeit, das ist Autokephalie” für seine Kirche. Im November 1991 saß er einem Arbeitskonzil vor, das die Hierarchie der Russisch Orthodoxen Kirche bat, der Ukrainischen Orthodoxen Kirche – Moskauer Patriarchat den Status der Autokephalie zu gewähren. Leonid Krawtschuk, der damalige Präsident der Ukraine, unterstützte die Bitte, aber das Patriarchat von Moskau lehnte sie rundweg ab.

Kurz darauf erschien eine Reihe von Artikeln in der Presse, die Filaret schwerer Verletzungen seiner Mönchsgelübde sowie des Mißbrauchs seiner kirchlichen Autorität bezichtigte. Das Bischofskonyiel der Russisch-Orthodoxen Kirche, das von März bis April 1992 zusammengekommen war, verlangte seinen Rücktritt. Dies sagte er auch zu, erklärte jedoch nach seiner Rückkehr aus Moskau, daß dieses Versprechen unter Druck erfolgt sei und er nicht zurücktreten werde. Ein im Mai 1992 in Charkiw zusammengetretenes Konzil beschloß mit der Mehrheit der Bischöfe der Ukrainischen Orthodoxen Kirche – Moskauer Patriarchat, Metropolit Filaret seines Amtes zu entheben und vom Priesteramt zu suspendieren.

Mit Unterstützung politischer Autoritäten in der Ukraine traten Filaret und drei weitere Bischöfe der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche bei und gründeten im Juni 1992 eine neue Kirche, die Ukrainische Orthodoxe Kirche – Kiewer Patriarchat (UOK-KP). Offiziell war er nur Assistent des 94jährigen Patriarchen Mstyslaw, hatte jedoch tatsächlich die Kontrolle über alle Kirchenangelegenheiten. Wegen dieser Situation weigerten sich einige autokephale Bischöfe und Kleriker, der Ukrainischen Orthodoxen Kirche – Kiewer Patriarchat beizutreten.

Nach dem Tod des Patriarchen Mstyslaw wählte das Konzil der UOK-KP Filaret zum Nachfolger des neugewählten Patriarchen Volodymyr Romaniuk, doch die eigentliche Gewalt über die Kirche lag in den Händen von Filaret. Nach dem Tod des Patriarchen Volodymyr im Juli 1995 wurde er zum Oberhaupt der UOK-KP gewählt. Aufgrund dieser Wahl verließen vier weitere Bischöfe mit ihren Gläubigen die Kirche.

Nach seiner Wahl zum Patriarchen begann Filaret eine sehr aktive Rolle in der Kirchenpolitik zu spielen. Er versuchte, alle Gruppen mit nationalistischer Orientierung und alle nicht kanonisch anerkannten Kirchenstrukturen um seine Kirche zu sammeln. Seine ehemalige Gegnerschaft gegen die Idee der Autokephalie und gegen die Griechischen Katholiken sieht er heute als Fehler an; heute ist er der Meinung, dass die Ukraine eine nationale Kirche braucht, die alle Orthodoxen des Landes umfasst, und dass allein die UOK-KP diese Rolle zu übernehmen in der Lage ist. Mehrere Versuche, eine kanonische Anerkennung der UOK-KP zu erreichen, blieben erfolglos.

Das Bischofskonzil der Russisch-Orthodoxen Kirche exkommunizierte ihn 1997 und verhängte das Anathema über ihn. Dieser Vorgang wurde von ihm jedoch nicht als gültig anerkannt: seiner Meinung nach hat er schlicht eine Nationalkirche verlassen und eine andere gewählt.

Der Text wurde übernommen aus dem ukrainischsprachigen Journal "Liudyna i Svit" ("Mensch und Welt") vom Februar 1998.