Die Muslime gehören zu den Vertretern der drei in der Ukraine hauptsächlich verbreiteten Religionsgemeinschaften.
Ursprünglich war der Islam vorwiegend auf der Krim verbreitet. Das Mitte des 15. Jahrhunderts hier entstandene Tatarenreich geriet sehr bald unter die Herrschaft des Osmanischen Reiches. Die Krimtataren waren Sunniten, deren geistlicher Leiter ein Mufti war; die Imame leiteten die Gemeinden. In Bachtschysaraj, der Hauptstadt des Reiches, gab es im 18. Jahrhundert 18 Moscheen sowie zahlreiche muslimische Schulen (Medresen und Mekteby). Nachdem das russische Reich Ende des 18. Jahrhunderts die Krim erobert hatte, begann es die muslimische Bevölkerung zu verfolgen. Als Ergebnis haben über 161.000 Muslime in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert die Halbinsel verlassen.
Zur gleichen Zeit entstand ein Dissens zwischen den Kadymisten (konservativen Anhängern des dogmatischen Islam) und den Dzadiden (Reformatoren und Anhängern der europäischen Kultur).
Im Jahre 1917 machten die Muslime weniger als ein Drittel der ganzen Bevölkerung der Halbinsel aus; in den Städten waren nur ca 11% der Einwohner Muslime.
Die sowjetische Regierung setzte die Politik der Verfolgung von Muslimen fort. Im Mai 1944 wurden 188.626 Tataren der Kollaboration mit den Nationalsozialisten beschuldigt und aus der Krim deportiert. Erst nach der Unabhängigkeit der Ukraine begann die Rückkehr dieser Krimtataren. Muslimische Gemeinden gibt es heute in jeder Region der Ukraine, denen verschiedene ethnische Gruppen angehören. Sie sind in drei Strukturen vereinigt: der Geistlichen Leitung der Muslime der Ukraine, dem Geistlichen Zentrum muslimischer Gemeinden in der Ukraine und der Geistlichen Leitung der Muslime der Krim. Daneben gibt es Gemeinden, die keiner der genannten Organisationen angehören.
Schon seit den neunziger Jahren versuchen die ukrainischen Muslime, ihre Aktivitäten und Tätigkeiten gemeinsam zu koordinieren. Mehrfache Versuche, eine allgemeine Versammlung der Muslime in der Ukraine zu veranstalten, bleiben bis heute aktuell.
Der Installation muslimischer Gemeinden ging die Gründung verschiedener kultureller Zentren voraus. Das erste wurde 1991 in Kiew registriert. Unter den weitverbreiteten Wohlfahrtsorganisationen und –stiftungen sind die “CCAP Fundation”, “Al’- Buschra” und “Das Leben nach Tschornobyl’” am bekanntesten. Besondere Aufmerksamkeit verdient die interregionale Organisation “Arraid”, ein Zusammenschluß von 11 regionalen Organisationen der Ukraine.